8. März 2017 Simon Scholz

Die 4-Stunden Woche – Arbeit oder Faulsein?

Seit einiger Zeit beschäftige ich mich wieder mit einem meiner Kernthemen: Zeitmanagement effektiver Arbeit. Ein, in diesem Zusammenhang, immer wieder genanntes Buch ist die 4-Stunden Woche von Timothy Ferriss. Es wird zum Teil gar als Evangelium einer neuen Arbeitswelt gepriesen. Für mich als Workaholic natürlich eine reizvolle Idee, nur vier Stunden zu arbeiten – oder der blanke Horror?

Timothy Ferriss: Die 4-Stunden Woche

Timothy Ferriss: Die 4-Stunden Woche

Worum es nach einiger Eingewöhnungszeit in die amerikanische Perspektive geht, wird schnell klar. Urlaub und Hobbies maximieren, während Arbeit minimiert wird. Bis dahin lässt sich wohl von einem allgemeinen Konsens sprechen. Steigt man tiefer in die Denkweise Ferriss‘ ein, wird schnell klar, dass es sich nicht um eine neue Form der Arbeit handelt, sondern um eine modernisierte Form des Manchester-Kapitalismus. Man selbst solle sich auf einen rein gewinnbringenden Zeiteinsatz konzentrieren, alle anderen Arbeiten externalisieren oder automatisieren. Verhaltensweisen von Partnern, die nicht zur eigenen Zeitersparnis nutzen sollten sich ändern, oder die Partner bei zu geringem Gewinn entfernt werden. letztlich geht es darum, einfache Produkte herstellen und vertreiben zu lassen und das Ganze möglichst hoch zu skalieren.

4-Stunden Woche als Leitfaden zur Arbeit

 

Pro Kontra
  • 80-20-Regel zur Priorisierung von Aufgaben
  • Fokus auf die eigenen Kompetenzen und Ziele
  • Selbstverwirklichung als übergreifendes Ziel von Arbeit
  • Erfolge sehen und feiern
  • 80-20-Regel um Unschönes auszublenden
  • Ausbeutung Anderer um eigenen „neuen“ Reichtum zu erhalten
  • Selbstverwirklichung als reiner Hedonismus
  • Einfache, relationale monetäre Sicht auf alle Tätigkeiten

 

Wie ist das mit den Grundgedanken zur Generation Y zu verbinden? Aus meiner Sicht kaum. Es geht nicht um den Spaß an der Arbeit oder der Entwicklung eines Produktes, sondern schlicht um die Vermeidung von Arbeit. Darüber hinaus geht es auch um die Vermeidung von Teamarbeit oder sozialen Bindungen, die letztlich nur die eigene Unabhängigkeit stören. Im Endeffekt bleibt nur der Gedanke der Selbstverwirklichung übrig, aber in einer äußerst hedonistisch gedachten Form. Ein passendes Element zu den Zielen der Generation Y stellt die propagierte Telearbeit dar, die eine Grundlage für ortsunabhängiges Arbeiten und Lernen darstellt.

Andererseits lässt sich positiv vermerken, dass Ferriss einen, wenn auch implizit, ganz klaren Fokus auf die eigenen Kernkompetenzen fordert. Damit lässt sich die 80-20-Regel bzw. das Pareto-Prinzip gut angehen. Die verbliebenen 20% versucht Ferriss auszublenden oder auszulagern. Hier sehe ich jedoch besonders gute Anknüpfungspunkte in der Teamarbeit. Finden sich mehrere unterschiedlich talentierte Menschen mit gleichen Zielen zusammen lässt sich in 20% der Zeit vielleicht 160% oder mehr Leistung erbringen. Nicht zuletzt sollte das Feiern von Erfolgen genannt werden. Oft geht es in der Literatur zu Zeitmanagement nur darum effizienter zu arbeiten, Ferriss macht den nächsten Schritt und zeigt, was nach der Arbeit kommen kann.

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