26. März 2015 Simon Scholz

Die Freibeuterstrategie: Durch selbstbestimmtes Lernen zum Erfolg

In den letzten Jahren habe ich mich häufig in MOOCs, Antiquariaten, auf Blogs, TED, Youtube und lokalen Weiterbildungsveranstaltungen herumgetrieben und habe so nach dem Studium weiter frei lernen können. James Bach greift genau dieses selbstgesteuerte Lernen auf, vermischt es mit Lernen en passant, Netzwerken, Personal Branding und seiner Unzufriedenheit über das eigene Erleben des Bildungssystems, und destilliert hieraus eine eigene Lernstrategie. Als historisches Vorbild halten Freibeuter her, die sich ebenso wie er gegen die bestehende Ordnung wendeten. Wie man auch hierzu stehen mag, viele Ideen in diesem Buch fügen sich nahtlos in Gedanken des Lebenslagen Lernens und helfen bei einem erfolgreichen Weg in der modernen Arbeitswelt.

James Marcus Bach: Die Freibeuterstrategie - Durch selbstbestimmtes Lernen zum Erfolg

James Marcus Bach: Die Freibeuterstrategie – Durch selbstbestimmtes Lernen zum Erfolg

In den ersten beiden Kapiteln werden Erfahrungen des Autors mit dem Schulsystem geschildert um in Kapitel drei auf die Freibeuter-Metapher zu kommen. In Kapitel vier finden sich auf wenigen Seiten die zentralen Argumente des Buchs. So wird auf S.42 geschrieben: „Auf das Anfangen kommt es an. Schlauer werde ich am Ende sein.“ Wenn auch aus dem Zusammenhang gerissen, ist das der Grundstein allen Lernens in einfache Worte gefasst. Wenn ich erst einmal loslege, finden sich Lernchancen, Motivation und Erfolg fast von alleine. Durch eigene Regeln bleibt der Prozess dann am Laufen. Für Bach finden sich diese Regeln im Akronym Kaperschiff ((Aus)Kundschaften, Authentische Probleme, Probieren, Erkenntnisse ziehen sich an, Rhythmus, Spielen, Chaos durch Geschichten ordnen, Hinterfragen, Ideen aufgreifen, Formkraft durch Bilder, Finden des Systems) wieder. In den folgenden Kapiteln werden diese Regeln an Beispielen ausgearbeitet.

Aus meiner Sicht ist besonders der Grundgedanke hinter dem Buch stark und überlegenswert. Wichtig ist der Spaß am Lernen. Dazu gehört auch Nichtstun, Druck ablassen und sich selbst aufbauen. Aus der Sicht des Informatikers müssen Kopfarbeiter immerfort Lernen. Dieses Lernen erfolgt selten in Institutionen, da Lösungen für Probleme benötigt werden, für die nicht einmal Definitionen in Kursform gibt. Dieses Phänomen lässt sich auch gut auf andere Branchen übertragen, wenngleich in diesen formale Qualifikationen höher gehalten werden. Als besonders effektiv für produktiven Lernfortschritt werden Expertennetzwerke hervorgehoben und der Lernprozess vom Wissen über das Verstehen zum Anwenden.

Was bietet das Buch nun konkret?

  • Viele Beispiele aus dem Leben des Autors, liest sich dadurch sehr einfach
  • Regeln und Heuristiken um Lernen neu zu Lernen
  • Denkanstoß um Lernen wieder mehr zu mögen
  • Hilfestellung auch für eigene Karriereentwicklung
  • Leider kein Transfer auf andere Branchen als den Idealfall der boomenden IT

Die sichtliche Enttäuschung über das Bildungssystem und die Vom-Tellerwäscher-zum-Millionär-Einstellung prägen den Stil des Buchs, gleichzeitig aber auch der Spaß am Lernen und Entdecken. Wenn man über das schlechte Bild von Institutionen und Lehr-Autoritäten sowie die reine Anwendung aus US-IT-Sicht hinwegsehen kann, ist das Buch ein wirklich guter Einstieg in das freie Lernen. So lässt sich die Strategie bedingt auch innerhalb von Institutionen anwenden – sofern nicht auf Zensuren geachtet werden muss. Je praxisferner ein Thema aber wird, desto schwieriger ist die Strategie anwendbar. Komplett übersehen wird, dass ohne grundlegende Bildung (Lesen, Schreiben, Rechnen, Kultur) in den klassischen Institutionen ein Weiterlernen nicht möglich ist. Trotzdem eine klare Leseempfehlung, da gut verdaubar und tolle Denkanstöße für jeden dabei sein sollten.

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