11. März 2015 Simon Scholz

Flexibilität heißt Sicherheit

Vorletzte Woche wurde ein Artikel der Mitteldeutschen Zeitung in meinem Netzwerk häufig geteilt und den Aussagen zumeist zugestimmt, denn es geht um unsere Generation, laut Artikel die „Überforderte Generation“. Im Artikel wird davon ausgegangen, dass für viele junge Menschen mit 30 der Ernst des Lebens beginnt – die Ausbildung ist abgeschlossen, vielleicht auch der erste befristete Job überstanden und es wird sich orientiert. Es sollen Familie, Karriere und Rücklagen aufgebaut werden, das eigene Heim wäre auch nicht verkehrt und währenddessen noch die Welt entdecken, oder gleich retten? Soziales Engagement wird natürlich auch erwartet. Dass wir uns den Druck zuallererst selbst aufbauen ist kaum zu bestreiten, aber auch über die permanent positiven Nachrichten der sozialen Netzwerke und das Elternhaus werden Vorstellungen über ein gutes und erfolgreiches Leben transportiert. Nicht zuletzt erwartet auch der eigene Arbeitgeber die volle Leistung von allen Mitarbeitenden und verweist auf die Unsicherheit des Marktes.

Freizeit oder schon Arbeit? Grenzen verschwimmen zusehends

Freizeit oder schon Arbeit? Grenzen verschwimmen zusehends

Eine knappe Woche später findet sich bei der FAZ ein Artikel zu den Ergebnissen einer Forsa-Umfrage zur Work-Life-Balance. Hier heißt es, dass das Privatleben wichtiger ist, als der Job. Typisch Generation Y?! Aus meiner Sicht nicht. Vor allem wenn man beide Artikel zusammen betrachtet, kommt schnell der Gedanke, dass es sich doch nur um das gleiche Problem handelt. Es fehlt einfach die Planungssicherheit. Zwar wird Nachwuchsführungskräften gerne Hedonismus und fehlende Leistungsbereitschaft nachgesagt, aber wie soll man sonst auf eine permanete Unsicherheit reagieren? Weiter anpassen, Leistung bringen,… und mit Mitte 40 ausgebrannt in den Vorruhestand?

Dabei wäre vieles ziemlich einfach zu lösen. Arbeitgeber wollen langfristig top Mitarbeiter, top Mitarbeiter wollen Sicherheit in guten Jobs – und auch ein gutes Leben. Wenn beide Seiten aufeinander zugehen, lässt sich daraus eine Win-Win-Situation generieren. In einem meiner letzten Beiträge habe ich über Routinen geschrieben. Der nachgezeichnete Weg wäre für viele Unternehmen eigentlich ein leichter Schritt. Die dadurch erzeugte Flexibilität im Job lässt unvorhersehbare und unveränderliche Lebenssituationen abfedern:

  • Familie – ich arbeite zuhause wenn ich da gebraucht werde
  • Karriere – dank Online-Diensten bin ich jederzeit auf dem aktuellen Stand und nicht nur erreichbar
  • Rücklagen – kann ich mit einem Job langfristig planen ist weder Haus noch Hof utopisch
  • Welt entdecken – solange ein Onlinezugang besteht ist das Büro immer dabei
  • Soziales Engagement – Unternehmensverantwortung ist auch ein Thema für den Arbeitgeber, zusammen findet sich sicher ein unterstützenswertes Projekt

Das Wissen um die Flexibilität im Alltag führt zu Vertrauen und Loyalität gegenüber dem Arbeitgeber. Dieser kann so getrost in seine Mitarbeiter investieren und gleichzeitig Infrastrukturkosten sparen. Darüber hinaus steigt die Motivation, der Gesundheitszustand bleibt besser erhalten und wer sich ein Haus baut, ist auch noch in 20 oder 30 Jahren vor Ort. Eine längerfristige Bindung und deren Erhalt können also durch eine flexible Arbeitsgestaltung Existenzängste und Stress der Mitarbeiter reduzieren und sie dabei unterstützen, die in sie gesetzten Erwartungen nicht nur zu erfüllen, sondern sie auch mit Leidenschaft zu übertreffen. Früher oder später muss sich also jedes Unternehmen die Frage stellen, wie es mit den eigenen Mitarbeitern umgeht und wie dem um sich greifenden Fachkräftemangel begegnet wird.

, , , , , , ,

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.